Bauern, Adel und Gemeinde: Alltag und Konflikte im 15. und 16. Jahrhundert.

Herzliche Einladung zum Vortrag von Kreisarchivar Manfred Waßner

am Donnerstag, 19. März 2026 um 19.30 Uhr im Rittersaal / Schloss

Die „Armen Leut“ wehren sich gegen einen Ritter: Um das Jahr 1430 machten die Einwohner Köngens eine einschneidende Erfahrung. Ihr adeliger Ortsherr, der Ritter Thumb von Neuburg, führte neue Regeln ein. Er mischte sich mit Gewalt in die Angelegenheiten des Dorfes ein, nahm Einsetzung und Entscheidungen des Dorfgerichts in die eigene Hand, er setzte neue Abgaben fest, sperrte Wege und sorgte dafür, dass Korn und Mehl bei ihm monopolisiert wurden. Das kannten die Köngener von ihren früheren Herren, den Grafen von Aichelberg, nicht. Auch diejenigen Bauern, die auf Höfen des Klosters Salem oder anderer Herren saßen, fühlten sich vom Schlossherrn bedrängt.

Wie sich die Köngener gegen den Ritter wehrten, ob sie Hilfe fanden und welchen Umbrüchen der Ort in der Zeit zwischen ausgehendem Mittelalter und aufziehender Neuzeit ausgesetzt war, dem geht der Vortrag nach, der auf den Forschungen zum Jubiläumsbuch „950 Jahre Köngen“ basiert.

Eintritt:  10 Euro

Das Jubiläumsbuch „950 Jahre Köngen“ kann zum Preis von 25 Euro an diesem Abend erworben werden.

Im Anschluss an den Vortrag laden wir zu einem Umtrunk ein!

Bericht von Astrid Schlupp-Melchinger zum Vortrag von Manfred Waßner (aus dem Köngener Anzeiger Nr.13)

Die „Armen Leut“ wehrten sich

Einen spannenden Vortrag von Manfred Waßner erlebten die zahlreichen Besucher vergangenen Donnerstag im Schloss, dort wo Ritter Thumb von Neuburg, der neue Ortsherr, nach den früheren Herren, den Grafen von Aichelberg residierte.

Doch dieser machte den Köngenern ihr mühsames Leben noch schwerer. Der Ritter, dem die Heirat mit der adligen Anna von Aichelberg offenbar zu Kopf gestiegen war, zog 1430 nach Köngen und konnte so seinen Untertanen sehr genau auf die Finger schauen. Er bog sich Regeln so zurecht, dass er über Gebühr davon profitierte, ob bei der übermäßigen Nutzung des Gemeindewaldes oder bei zusätzlichen Abgaben für die ansässigen Bauern, um ihr eigenes Korn mahlen zu können.

Der Ortsherr führte zusätzliche Frondienste ein und sperrte auch einfach einen praktischen Durchgang in der Nähe des Schlosses, sodass die Bauern Umwege laufen mussten. Die „Armen Leut“ konnten sich dagegen wehren. Auch zu diesen Zeiten gab es Regeln, Gesetze und Ordnungen. Doch auch hier versuchte der Ritter das Dorfgericht Richtern auf Lebenszeit statt regelmäßigen Wahlen in seinem Sinne zu gestalten. Viele Jahrzehnte vor dem Beginn der Bauernaufstände in Württemberg kämpften die Menschen hier in Köngen bereits gegen Willkürherrschaft und lehnten sich dagegen auf. Nicht immer war dies von Erfolg gekrönt.

Mehr Klarheit und Rechtsstaatlichkeit herrschte hingegen auf Württemberger Gemarkung, wo Beamte die eingesetzten Regeln überwachten und durchsetzten – ein Vorteil für die dortigen Einwohner. Bis ins 17. Jahrhundert nahm der württembergische Einfluss auch in Köngen stetig zu. Die Thumb von Neuburg standen bereits in württembergischen Diensten bis die Gemeinde 1739 endgültig württembergisch wurde.